Digitale Strategie, Marketing & Web · · Zielgruppe: AR-Interessierte

Augmented Reality gekonnt auf Messen einsetzen

Der Besuch auf Messen gehört für Unternehmen zum Pflichtprogramm. Doch vielen fällt es schwer, sich von den anderen Ausstellern abzuheben oder innovativ zu sein. Augmented Reality bietet für dieses bekannte Problem einen völlig neuen Lösungsansatz. Denn die Technologie besitzt immer noch einen hohen Innovationsfaktor und hilft dabei, das eigene Angebot in den Vordergrund zu rücken. In diesem Artikel wollen wir unsere Erfahrung teilen und wertvolle Praxis-Tipps für die Umsetzung geben.

Produktpräsentationen – viele Unternehmen haben auf Messen Nachholbedarf

Anbieter aus Branchen wie Automobil, Entertainment, Games und Food bewegen sich zumeist souverän auf den verschiedenen konsumorientierten Messen und verstehen es, ihr Angebot in Szene zu setzen. Das gilt aber längst noch nicht für alle Unternehmenstypen. Gerade in den Bereichen B2B oder Industrie ist erkennbar, dass ein konservatives und nüchternes Standbild weiterhin vorherrscht.

Die Teilnahme an einer Messe ist aber kein Selbstzweck. Nur wer mit seinen Produkten und Dienstleistungen durchdringt, erhält auch einen Nutzen. Augmented Reality (AR) gehört zu den Trends, die in diesem Bereich vieles verändern können und eine neue Herangehensweise an das Thema Produktpräsentationen eröffnen.

Wer mit Messebesuchern erst einmal ins Gespräch gekommen ist, profitiert für den Sales-Prozess erheblich. Augmented Reality ist hierfür die ideale Technologie, denn sie macht neugierig und die Besucher stellen sofort Fragen dazu. Wer sich selbst als innovative Firma versteht, sollte diese Offenheit für Neues auch bei seinen Produktpräsentationen pflegen.

AR bietet vielfältige Vorteile für die Heranführung an Produkte

Augmented Reality ermöglicht genau das, was sich viele Messebesucher ohnehin wünschen: Um die Produkte herumzugehen, sie aus allen Perspektiven in Augenschein zu nehmen und in sie hineinzublicken. AR ist hierfür ideal, da sich die Erfahrung nahtlos in die Umgebung des Messestands integrieren lässt.

Stehen AR-Angebote an einem Messestand zur Verfügung, dauert es erfahrungsgemäß nicht lange, bis sich eine Ansammlung neugieriger Menschen um den Stand bildet. Das wiederum zieht weitere Besucher an, weil die Hürden, sich dazuzustellen, an einem vollen Stand erfahrungsgemäß sinken. Das ist ein wichtiger Faktor, da sich alle Aussteller einer Messe in einem Wettbewerb um Aufmerksamkeit befinden.

Augmented Reality bietet die Möglichkeit, ins Innere eines Produkts hineinzuschauen. Das ist zum Beispiel für Industrieprodukte nützlich, wenn es darum geht, die komplizierte Technik einer Anlage zu veranschaulichen. Erst rumgehen und dann reingehen lautet vereinfacht gesprochen die Devise und das, ohne die Maschine umständlich öffnen zu müssen.

Sinnvoll verwendbar ist die Technik auch im Zusammenhang mit allen 3D-Modellen. Diese lassen sich in die Umgebung integrieren und ermöglichen ein unkompliziertes, reibungsloses und schnelles Erlebnis von Objekten. Für den Besucher ist es häufig angenehmer, Visualisierungen in der realen Umgebung, statt auf einem flachen Bildschirm zu erleben.

Wer den AR-Ansatz auf die Spitze treibt, muss mit physischen Produkten gar nicht mehr auf der Messe vertreten sein. Denn es spricht nichts dagegen, mit digitalisierten Exponaten zu arbeiten. Das spart Platz und bietet Vorteile in Hinblick auf die Kosten. Gerade für Firmen mit vielen Produkten und auf internationalen Messen ist das dank wegfallender Frachtkosten und Zollabfertigung wertvoll.

Tiefere Einblicke in die Nützlichkeit von AR-Apps für die Teilnehmer einer Messe bietet die Lufthansa-Fallstudie. Sie zeigt deutlich, wie Augmented Reality-Apps bereits heute dabei helfen können, komplexe Produkte und Informationen auf spannende Weise zu präsentieren und für ein breites Publikum verständlich zu machen.

Vorteile von Augmented Reality auf Messen

Augmented Reality Messe - Erfahrungen aus der Praxis

Augmented Reality ist auf Messen ein Trend, an dem viele Unternehmen teilhaben können. Denn mit der Digitalisierung ihrer Prozesse und der Erstellung von 3D-Modellen haben sie in vielen Fällen bereits den ersten Schritt gemacht, um AR-Anwendungen gewinnbringend einsetzen zu können. Dabei haben sich mittlerweile einige Best Practices herausgebildet, die es zu berücksichtigen gilt.

Moderierte Anwendungen sind besser als unmoderierte

Die Erfahrung zeigt, dass Messebesucher und Kunden zwar neugierig auf Augmented Reality sind, es aber nicht schätzen, wenn der Aussteller sie mit der Technik alleine lässt. Besser ist es, den Interessenten an die Hand zu nehmen und ihn in die erweiterte Realität einzuführen. Hat er die ersten Schritte unter Anleitung einer begleitenden und präsentierenden Person gemacht, kommt er schnell ohne Hilfe zurecht.

Ein gutes Produkt-Storytelling ist nützlich, um Berührungsängste mit der Technik abzubauen. Außerdem ist eine möglichst einfache und intuitive Bedienung wichtig. Die ist aber längst noch nicht bei allen AR-Apps umgesetzt. Die Aussteller sollten daher eng mit den Entwicklern der Apps zusammenarbeiten und für Zugänglichkeit sorgen.

Diebstahlsicherung ist erforderlich

AR-Hardware wie Tablets, Brillen und die Tracking-Systeme sind noch immer recht teuer. Beim Einsatz auf einer Messe sollte daher eine Diebstahlsicherung nicht fehlen, damit niemand die Geräte entwendet. Allerdings ist die Umsetzung in der Praxis nicht so einfach, wie es vielleicht zuerst klingt.

Denn die AR-Experience ist darauf angewiesen, dass sich der Nutzer möglichst frei bewegen kann. Das ist wichtig, um die präsentierten Produkte uneingeschränkt erkunden zu können. Daher sind Sicherheitskabel vielfach ungeeignet. Hier sind Alternativen gefragt wie abschließbare Fächer oder ähnliches.

Das Unternehmen muss nicht in jedem Fall die Hardware zur Verfügung stellen

AR ist eine flexible Technologie und sie ist auf vielen Geräten einsetzbar. Moderne Smartphones und Tablets verfügen über die Leistungsfähigkeit, AR-Anwendungen flüssig darzustellen. Das können sich die Aussteller zunutze machen. Denn ein Problem besteht häufig darin, dass nicht genügend Geräte für alle Besucher zur Verfügung stehen.

Es ist daher sinnvoll, zumindest ergänzend die Nutzung der eigenen Geräte der Messebesucher zuzulassen. Technisch ist die Verlinkung der AR-Experience mit einem minimalen Aufwand verbunden. Sie erfolgt per QR-Code, den der Aussteller an seinen Produkten oder Monumenten anbringt. Diese Lösung ist ideal für WebAR-Anwendungen.

Hohe Verfügbarkeit sicherstellen

Kein Messebesucher wartet gerne, bis er an der Reihe ist, sich das Headset aufzusetzen oder ein Tablet zu erhalten, um an der AR-Experience teilzunehmen. Daher ist es erfahrungsgemäß wichtig, immer genügend Geräte für die virtuellen Präsentationen zur Verfügung zu stellen. Das ist auch die Voraussetzung dafür, mehrere Vorführungen parallel durchführen zu können, was die Effizienz eines Messestands aus ökonomischer Sicht erhöht.

Praktische Überlegungen beziehen sich auch auf die Verfügbarkeit von Ladegeräten. Diese sollten direkt am Messestand zahlreich vorhanden sein und über eine hohe Ladeleistung verfügen. Im Idealfall sollte der Messebauer in der Nähe des Produkts ein abschließbares Fach mit mindestens drei 230-V-Steckdosen berücksichtigen sowie genügend Platz für mehrere Geräte plus Ladegeräte (idealerweise mit hoher Leistung).

Technische Herausforderungen

Wer AR am Messestand einsetzen möchte, muss sich Gedanken über das Tracking machen. Es sind verschiedene technische Lösungen verfügbar, die sich in der Wirkung unterscheiden und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile aufweisen. Häufig empfiehlt es sich, eine Abschätzung durch einen Berater oder erfahrenen AR-Entwickler vornehmen zu lassen.

Markerbasiertes Tracking

Das Marker-Tracking ist eine robuste und einfach umsetzbare Lösung. Es funktioniert nur, wenn die Marker im sichtbaren Bereich der Kamera bleiben, was die Bewegungsfreiheit des Nutzers in der Praxis deutlich einschränken kann. Außerdem befinden sie sich naturgemäß in der Nähe der virtuell zu erweiternden Exponate. Das sieht nicht immer gut aus bzw. stört nicht selten auch die Marketing- und Branding-Beauftragten der Aussteller-Firma. Hochglanz-Drucke und Folienbeschriftungen sind wegen der Reflexionen problematisch und behindern mitunter den Tracking-Algorithmus.

SLAM-Tracking

Diese Lösung ist nützlich, wenn sich das Produkt nicht physisch vor Ort befindet. Es erfolgt eine rein virtuelle Platzierung auf einer vertikalen Oberfläche. SLAM (Simultaneous Localization and Mapping) bietet die Möglichkeit, eine Kamera ohne vorherige Referenz zu lokalisieren, was für AR-Anwendungen sehr nützlich ist.

Objekt-Tracking

Hierbei handelt es sich um die technisch aufwendigste Methode. Das Objekt-Tracking macht die lästigen Marker überflüssig und ersetzt diese durch einen mittels Point-Cloud und anderer Verfahren erstellten 3D-Zwilling (Digital Twin). An diesem kann sich der Algorithmus orientieren. Je nach Umsetzung fällt die Zuverlässigkeit unterschiedlich hoch aus und glänzende Objekte bleiben ein Problem.

Problemfelder Licht, Hintergrund, Reflexionen

Mischlicht aus natürlichem Tageslicht und Kunstlicht ist aufgrund der unterschiedlichen Farbtemperaturen für die Kameras der Mobilgeräte problematisch. Ideal ist eine weiche Beleuchtung mit ausreichender Stärke, um Reflexionen und Schattenwürfe auf den Objekten zu vermeiden. Eventuell lohnt sich eine Diffusorfolie an der Standbeleuchtung.

iPad oder Brille?

Brillen sind für AR-Anwendungen im Kontext einer Messe heute vielfach noch nicht geeignet. Sie sind technisch nicht ausgereift und sehr teuer. Ein ganz banaler, aber nicht zu unterschätzender Faktor dabei: Die Besucher stört es, wenn die Brille ihre Frisur ruiniert, oder auch die Vorstellung, dass unzählige andere Personen die Brille zuvor schon getragen haben. Gerade auf Messen mit großen Besuchergruppen eignen sich Tablets besser. Zu nennen sind hier zum Beispiel die iPads mit einer Bilddiagonale von 12,9 Zoll.

App oder webAR?

Beide Varianten bieten Vorteile. Eine App kann in der Regel sehr genau kontrolliert werden, indem sie für ein spezifische Gerät entwickelt wird. Für einen Messestand ist das optimal, da nach Möglichkeiten, nichts schiefgehen soll. webAR hat den Vorteil, dass jede Person am Event ein entsprechendes Gerät bereits mit sich trägt. Sprich, eine größere Reichweite ist fast schon garantiert.

Virtual Reality oder Augmented Reality?

Für den Messestand ist es zurzeit zweifellos sinnvoll, auf AR zu setzen. Denn, potenzielle Kunden bringen das benötigte Gerät in der Regel bereits mit - sprich das Smartphone oder Tablet. Virtual Reality hingegen kann ohne VR-Brille keiner breiten Masse angeboten werden. Und das Problem mit den Brillen hatten wir ja bereits im letzten Abschnitt besprochen. Wer also seine Expertise mit dieser neuen Form der Kommunikation übermitteln will, der sollte im Moment noch auf Virtual Reality verzichten.

Fazit

Der Einsatz von Augmented Reality lohnt sich in der Praxis sehr. Insbesondere Messestände in konservativen Branchen heben sich durch AR-Exponate deutlich ab und wirken als Besuchermagnet.

Bei der Umsetzung steckt der Teufel allerdings im Detail. Es gibt einiges zu beachten, damit das Vorhaben gelingt.
Unserer Erfahrung nach hilft hier vor allem das frühe Testen der Anwendung – idealerweise unter Realbedingung, zumindest aber unter möglichst realistischen Bedingungen.

Bei Kundenprojekten empfehlen wir strukturierte “Stress-Tests”, die systematisch alle in diesem Artikel aufgeführten Herausforderungen prüfen und ggf. frühzeitig Probleme sichtbar machen. Weiterhin sollten Kunden mit ihren Dienstleistern darauf achten, dass im Zweifelsfall vor Ort ein geschulter und technisch versierter Mitarbeiter zur Verfügung steht.
Im besten Fall ist das ein Software-Entwickler des Dienstleisters.

Bei der Konzeption von Messe-Anwendungen mit Augmented Reality lohnt es sich zudem, auf einen sehr erfahrenen Dienstleister zurückzugreifen. Ein gutes und durchdachtes Konzept entscheidet maßgeblich über den Erfolg der Anwendung, und damit der Messe als solcher.

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Matthias
Matthias Hamann
Digitale Konzeption

Über den Autor

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